Der Gutsherr und die Blume

von Christian (Kommentare: 0)

27. Februar 2024: Akleja & Siger

Es waren einmal... zwei angesagte Duos der Folkszene. Das eine war aus Deutschland, das andere aus dem flämischen Teil Belgiens. Gemeinsam machten sie sich auf, um ihr Publikum musikalisch zu verzaubern. Und so trug es sich zu, dass sie die erste Etappe ihrer Reise just zum Folkclub Prisma nach Pforzheim führte:

Den Zugang bereiten Björn Kaidel und Regina Kunkel als Akleja, dem schwedischen Namen für die Akelei. Gleich das erste Stück, Herr Amsel, grüßt beschwingt und fröhlich und lädt die Lauschenden ein, sich auf weitere Melodien wie Salbei in der Tradition eines schwedischen Brudmarsch (Brautmarsch) und einen Walzer namens Wacholder zu freuen.

Regina lässt auf ihrer Nyckelharpa (Schlüsselfiedel) Melodien durch den Raum schweben, die sich anfühlen wie Schmetterlinge, die gerade die Welt für sich entdecken. Björn webt gekonnt mit Gitarre, Cister und Nyckelharpa melodische und rhythmische Akzente in die silbrigen Melodiefäden. Wenn im Frühling der Krokus blüht, wird alles besser und die ebenso zarte wie starke Blume bahnt sich ihren Weg an die Sonne. Akleja verleihen auch kleinen Dingen wie einem Schneckenhaus musikalisch Bedeutung und kleiden die gleichnamige Polska in ein melancholisches Gewand.

Akleja verzaubern das Publikum mit ihren Kompositionen und seltenen musikalischen Fundstücken, die sie aus dem Verborgenen ans Licht holen. Gleich einem Nestling und dessen ersten Aufbruch in die Weite des Lebens, berührend als Dialog der Schlüsselfiedeln umgesetzt.

Ebenfalls ohne Worte kommt der zweite Teil des Doppelkonzerts aus, den die Brüder Hartwin und Ward Dhoore alias Siger (nach einem berühmten flämischen Gutsherrn) mit ihrer Mischung keltischer, klassischer und flämischer Musikstile füllen. Ihr musikalisches Entrée De Trambaan ist ein Walzer, so sanft wie der Wechsel der Gezeiten. Mit der beschwingten Leichtigkeit des Neo-Trad kommt When we fly daher, meisterhaft auf Melodeon und Mandola umgesetzt. Von den schottischen Shetlandinseln grüßt Mareel, ein schelmischer Reel in tanzbarem 4/4-Takt.

Inspiration finden Ward und Hartwin Dhoore auf ihren Touren durch ihr Heimatland Belgien und Europa, und so erzählt die schwungvolle Bourée Downhill Drifters von einer abenteuerlichen Tour im elterlichen Kleinwagen durch den dunklen Schwarzwald. Mit Dynamik und Tempo spielt die gedankenversunkene Eigenkomposition Bobby, wohingegen der Schottisch Airboys direkt in die Beine fährt.

Es wird Zeit, sich nach einem mit Musik prall gefüllten Abend voneinander zu verabschieden: Akleja und Siger tun dies gemeinsam mit Flandinavian und Scheldewals, einem Walzer, so zart und kraftvoll, wie ein Liebespfeil in die Herzgegend. Sind die Rüben rieb?  Mit einer letzten Zugabe neigt sich der märchenhafte Abend seinem Ende zu.

Danke an das bezaubernde Publikum und die Musiker von Akleja und Siger. Es sind diese märchenhaften Momente, die nachklingen. Momente, die das Leben liebenswert machen.

smo

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